Händel und Vivaldi

Verschoben auf Sonntag, 13. September 2020, 17 Uhr im Dom zu Arlesheim

Was haben Händel und Vivaldi miteinander zu tun? Warum sollte man ihnen ein gemeinsames Konzertprogramm widmen? Weil beide zu den bedeutendsten Vertretern des Spätbarock gehören? Weil beide den italienischen Stil pflegten, der eine vor Ort in Venedig, der andere in London? Weil beide ein reiches Œuvre an Opern hinterlassen haben und auch ihre geistliche Musik im besten Sinne «theatralisch» ist?

Vielleicht. Aber es gibt noch eine weitere, wesentliche Gemeinsamkeit: Beide Komponisten haben im emphatischen Sinne «für die Stimme» geschrieben (anders als etwa Bach, dessen vokale Linien ganz vom Instrumentalen her gedacht und angelegt sind). So ist es kein Zufall, dass viele «Händel-Sänger*innen» sich auch ausgiebig mit den Werken Vivaldis beschäftigen und umgekehrt.

Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Solistin des heutigen Abends: Star-Sopranistin Robin Johannsen. Mit Händels Salve Regina und Vivaldis Laudate pueri führt sie uns durch das ganze Ausdrucksspektrum der menschlichen Stimme vom hochvirtuosen Koloraturfeuerwerk bis zu den unendlich zarten Farben der Andacht und Anbetung.

Der Chor lässt in einer Wiederaufnahme The Ways of Zion erklingen, ein ungeheuer eindrucksvolles Tongemälde auf Texte aus dem Alten Testament, das Händel später zum ersten Teil seines gewaltigen Oratoriums Israel in Egypt umarbeitete und mit dem er sich einmal mehr als Meister vokaler Klangpracht erweist. Für den grossen Musikhistoriker und Händel-Biographen Charles Burney war dieses «Funeral Anthem for Queen Caroline» das Beste, was er je geschrieben hat.

Bei Laetatus sum handelt es sich um eine schlichte, quasi-strophische Vertonung des Psalms 122, die in der Verbindung von homophoner Deklamation, den in schwungvollem Unisono geführten Geigen und dem Achtelteppich der tiefen Streicher dennoch ein reizvolles Beispiel für den typischen Vivaldi-Stil darstellt. Ganz ähnlich sind die Rahmensätze des Credo gearbeitet, wohingegen die Binnensätze durch weit schweifende Harmonieprogressionen und Vorhaltsbildungen («Et incarnatus est») sowie Kontrapunkt und Chromatik in barocker Schmerzens- und Leidensrhetorik («Crucifixus») beeindrucken.

Mit Il Favorito schliesslich stellt Vivaldi unter Beweis, dass er nicht nur für die Gesangsstimme zu schreiben verstand, sondern darüber hinaus wie kaum ein anderer beherrschte, für «sein» Instrument, die Geige, zu komponieren. Das «Lieblingskonzert» Karls des Sechsten, das höchste Anforderungen an den Solisten stellt, wird von der vielfach preisgekrönten Violinistin Chouchane Siranossian zu sprühendem Leben erweckt.

 

Programm

  • Georg Friedrich Händel
    Alexander's Feast, Chor Nr. 18, HWV 75

  • Georg Friedrich Händel
    «Salve Regina», HWV 241

  • Antonio Vivaldi
    Credo e-Moll, RV 591

  • Antonio Vivaldi
    Violinkonzert e-Moll, «Il Favorito», RV 277

  • Georg Friedrich Händel
    - Il trionfo del Tempo e del Disinganno, HWV 46a
    - Reciativo Bellezza: «Pure del cielo»
    - Aria Bellezza; «Tu del Ciel ministro eletto»

  • Georg Friedrich Händel
    «Anthem for the Funderal of queen Caroline», Auszüge HWV 264
    - The ways of Zion do mourn
    - She put on righteousness
    - How are the mighty fall'n!
    - The righteous shall be had
    - Their bodies are buried in peace
    - The people will tell of their wisdom
    - The merciful goodness of the Lord endureth for ever

  • Antonio Vivaldi
    «Laudate pueri», RV 600

  • Antonio Vivaldi
    «Laetatus sum», RV 607


Orchester Camerata Vivaldiana

Violine I
Maria Sohn
Coline Ormond
NN

Violine II
Corinne Raymond-Jarczyk
Germán Echeverri
Katia Viel

Viola
Sara Bagnati
Sara Gómez Yunta

Violoncello
Melanie Beck
Carla Rovirosa

Violone
Marco Lo Cicero

Oboe
Bettina Simon
Priska Comploi

Orgel
Sebastian Wienand

  

 

Robin Johannsen, Sopran

 

            

            

Die amerikanische Sopranistin Robin Johannsen kam als Stipendiatin der Deutschen Oper Berlin nach Europa und wurde bald festes Ensemblemitglied des Hauses. Nach drei Jahren wechselte sie an die Oper Leipzig und ist seit 2008 freischaffend tätig mit einer besonderen Affinität zu Barock und Klassischer Musik.

In der Spielzeit 2018/2019 debütiert Robin Johannsen beim Beethovenfest Bonn und singt danach Händels «Trionfo del tempo e del disinganno» (PIACERE) beim Musikfest Bremen unter René Jacobs. Des Weiteren singt sie Bachs H-MOLL MESSE auf einer Tournee unter Andrea Marcon und in der Elbphilharmonie unter dem neuen Chefdirigenten des NDR Chores Klaas Stok. Es folgen zwei szenische Produktionen am Theater an der Wien. Im Konzertbereich debütiert sie u.a. bei den Warschauer Philharmonikern, dem La Folia Barockorchester, dem Concerto con Anima sowie den Münchner Philharmonikern.

Die Höhepunkte der vergangenen Spielzeiten waren u.a. eine Neuproduktion von Beethovens «Leonore» (MARZELLINE) mit dem Freiburger Barockorchester unter René Jacobs u.a. am Theater an der Wien, dem Festspielhaus Baden-Baden, dem Concertgebouw Amsterdam sowie der Philharmonie de Paris; die Neuproduktion von Mozarts «Entführung aus dem Serail» (KONSTANZE) am Mozarteum Salzburg mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter René Jacobs und Andrea Moses (Regie); die Neuproduktion von «King Arthur» an der Staatsoper Berlin und ihr Debüt als Fiordiligi in «Cosi fan tutte» unter René Jacobs auf einer Tournee in Deutschland, Spanien und Asien. Im Konzertbereich hat Robin Johannsen u.a. mit Andrea Marcon, Teodor Currentzis und Raphaël Pichon sowie mit führenden Barockorchestern wie dem Freiburger Barockorchester, dem Concerto Köln und der Akademie für Alte Musik Berlin zusammengearbeitet.

CD Aufnahmen u. a.: Die Entführung aus dem Serail unter René Jacobs (harmonia mundi), Solo-CD «In dolce amore» – Arien und Kantaten von Antonio Caldara mit Alessandro De Marchi und Academia Montis Regalis (Sony Classical - dhm); Parnasso in festa mit Andrea Marcon und La Cetra (Pentatone); Telemann: Ein feste Burg ist unser Gott mit Concerto Melante (Sony Classical – dhm).

 www.robinjohannsen.com

 

Chouchane Siranossian, Violine solo

 

            

            

Die französische Geigerin Chouchane Siranossian zählt zu den interessantesten Talenten ihrer Generation und hat sich sowohl in Kreisen der Barockmusik als auch in der Neuen Musik einen Namen gemacht. Ihre Forschungen in historisch informierter Aufführungspraxis bis hin zur Musik der Moderne, gepaart mit ihrer stupenden Virtuosität, eröffnen den Raum für eine neue Dimension der Interpretation ihres umfassenden Repertoires.

Sie studierte bei Tibor Varga, Pavel Vernikov, Zakhar Bron und Reinhard Goebel und ist eine gefragte Solistin und Konzertmeisterin. Sie spielte u. a. mit der Staatskapelle Dresden, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Budapest Festival Orchestra, dem Concerto Köln, Les Musiciens du Louvre, der Capella Augustina, der Hofkapelle München, dem Münchener Kammerorchester, Collegium 1704 und Anima Eterna. Sie ist Gründerin des Ensembles Les Racines du Temps und Leiterin des Ensemble Esperanza Liechtenstein.

Sie konzertierte sowohl mit Musikern wie Bertrand Chamayou, Philippe Bianconi, Michel Béroff, Daniel Ottensamer, Benjamin Engeli und Thomas Demenga als auch mit Persönlichkeiten der Historischen Aufführungspraxis wie Jos van Immerseel, Philippe Herreweghe, René Jacobs, Reinhard Goebel, Andrea Marcon, Marc Minkowski, Václav Luks, Christoph Prégardien, Andreas Spering, Dorothee Oberlinger, Alexis Kossenko, Philippe Jaroussky, Christophe Coin, Rudolf Lutz, Valer Barna-Sabadus, Rüdiger Lotter, Giuliano Carmignola, Roy Goodman, Michael Hofstetter und Thomas Hengelbrock. Ihr großes Interesse an zeitgenössischer Musik zeigt sich in ihrer Zusammenarbeit mit zahlreichen Komponisten wie Bechara El Khoury, Daniel Schnyder, Marc-André Dalbavie oder Eric Tanguy.

Ihre Aufnahmen als Solistin und Kammermusikerin wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So erhielt sie für ihre erste Solo-CD Time Reflexion den Diapason Découverte; L‘Ange et le Diable, eine Duo-CD mit dem Dirigenten und Cembalisten Jos van Immerseel, wurde mit dem International Classical Music Award in der Kategorie Baroque Instrumental prämiert.

www.chouchane-siranossian.com